Mein Leben ohne Plastik: Neue Tipps und alte Schweinehunde

Mein No-Plastic-Experiment dauert an. Zeit für einen kleinen Zwischenstand:

ICH BIN FRUSTRIERT.

Nicht, weil es nicht ginge, auf Plastik zu verzichten, sondern weil ich Depp doch immer wieder vergesse, den GUTEN Becher einzupacken – und mir stattdessen dann einen Kaffee aus dem Pappbecher mit Plastikbeschichtung hole (immerhin lasse ich inzwischen IMMER den Plastikdeckel weg). Oder, weil ich doch eine Sekunde zu wenig überlege und den Brie in der Frischhaltefolie kaufe. Das müsste nicht sein. Verzicht heißt das Zauberwort. Und das fällt mir schwer.

Dabei habe ich mir ja sogar selbst ein paar Bequemlichkeiten zugestanden. Ich will ja gar nicht KOMPLETT auf Plastik verzichten. Nur so weit es für mich als working mum praktikabel ist. Es wird in unserem Haushalt mit Sicherheit auch weiterhin Duplo-Bauklötze geben. Weil Theo sie liebt.

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ABER: Ich müsste sie ja nicht neu kaufen. Gibt’s kistenweise im Netz und auf Flohmärkten. Als Geschenk von Oma und Opa darf es natürlich gerne ein neues Paket sein, aber sonst… warum nicht auch nach gebrauchten Duplo-Klötzen gucken? Ganz einfach: Ich denke nicht dran. Ich stehe im Laden und kaufe.

Immerhin: Im Supermarkt bin ich inzwischen ganz gut darin auf Plastik zu verzichten, wo es nur geht.

  • Ich habe immer eine Tasche dabei – meistens mehrere. Wenn nicht, kaufe ich wohl oder übel den 100sten Stoffbeutel oder eben eine Papiertasche
  • Ich weiß, wo man die Sahne im Glasbehälter bekommt, ich kaufe keine Marmelade im Plastikpott und auch Ketchup gibt es bei uns in der guten alten Glasflasche
  • Mineralwasser kaufen wir ebenfalls in Glasflaschen. Zugegeben, die Kisten sind höllenschwer, aber das ist es mir wert (und meistens kauft die Kisten eh der zauberhafte Mann). Meine Freundin Enzi schwört auf den Sodastreamer mit Glasflaschen. Darüber denke ich auch schon eine Weile nach.

Außerdem haben wir es uns zur schönen Gewohnheit gemacht, samstags mit Theo immer öfter auf den Hennefer Wochenmarkt zu gehen.

Theomarkt

Der ist zwar wirklich winzig, aber Honig, Obst und Gemüse, frische Tulpen und Bio-Huhn lässt sich dort sehr gut kaufen – (fast) alles aus der Region. Und ist – bis auf das Huhn – sogar sehr günstig.

Ich nehme dann immer zusätzlich zur Tasche ein paar Dosen mit (ja auch aus Plastik, aber schon im Haushalt vorhanden und deshalb ok) für Tomaten, Pilze und Co. – in aller Regel muss ich so kein einziges Schälchen und auch keine Plastiktüte vom Stand mitnehmen. Kommt alles einfach direkt in den Stoffbeutel.

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Direkt neben dem Markt gibt es außerdem einen gut sortierten türkischen Händler, der neben frischen Kräutern, Obst und Gemüse auch Nüsse, Frischkäse und andere leckere Sachen verkauft. Das alles kann man sich in mitgebrachte Gläser und Behälter füllen lassen. Hab ich schon gemacht – die sind echt super nett und haben ÜBERHAUPT kein Problem damit.

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Das finde ich großartig!

Nebenbei hat mir die Chefin im Laden erzählt, dass es durchaus öfter Menschen gibt, die mit ihren Dosen und Gläsern anrücken, um auf Plastik zu verzichten.

Ich bin nicht allein! Yeah! 🙂

Bleibt noch die Sache mit den Milchprodukten. Das mit der Sahne habe ich ja erwähnt. Gibt es im HIT in Hennef am Marktplatz. Und natürlich bei Denn’s Biosupermarkt.

Aber was ist mit Milch, Joghurt, Quark und Käse?

Klar, die Landliebe-Flaschen im Supermarkt… aber will ich das wirklich? Wie werden die Tiere gehalten? Das kann ich nicht prüfen.

Demeter-Glasflaschen im Bio-Supermarkt wären eine Alternative, aber dafür immer extra hinfahren, wo doch der REWE quasi um die Ecke ist? Hm.

Ich bin jetzt auf eine Alternative gestoßen, die zwar aus Plastikvermeidungssicht bei weitem nicht perfekt ist – aber für mich im Moment der beste Kompromiss: DER MILCHHOF HOMMERICH.

Der liegt idyllisch zwischen Hennef-Söven und Hennef-Hofen.

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Ich hab mit Theo einen abendlichen Ausflug dorthin gemacht, um mich von den Haltungsbedingungen zu überzeugen. Das Gute ist: Es ist ein kleiner Hof mit rund 80 Kühen. Im Sommer grasen sie jeden Tag auf den Weiden rund um den Hof, im Winter haben sie eine großen Stall. Das Futter kommt aus eigener Herstellung.

Der ganze Betrieb macht auf mich einen sehr guten und gepflegten Eindruck.

Die Schwester der beiden Chefs hat mir alles gezeigt. Keine Geheimnisse – das spricht doch echt für den Hof, oder?

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Noch besser ist: Es gibt einen Lieferdienst. Und deshalb bekommen wir jetzt immer mittwochs und samstags frische Milch im Zweiliter-Kanister, frischen Joghurt in wechselnden Sorten, Quark, alle zwei Wochen Käse aus einem benachbarten Betrieb und frische Eier aus Freilandhaltung geliefert. Alles vor die Haustür.

Zwei Nachteile gibt es aber leider doch:

  • Der Hof ist nicht biozertifiziert. Das finde ich persönlich nicht so schlimm, weil ich trotzdem einen guten Eindruck von Haltung und Futter habe. Und die EU-Biosiegel sind ja auch mehr Schein als Sein, die Bedingungen so lasch, dass man es auch gleich lassen kann.
  • Was mich wirklich stört: Die Milch kommt im PLASTIKKANISTER. GRMPF!!! Gut ist, dass die Kanister im Pfandsystem immer wieder zurückgenommen und wiederverwendet werden. Gleiches gilt für die Joghurtbehälter. ABER: Die Deckel von beidem – auch aus Plastik – landen im Müll. Und auch die Quarkdosen sind aus Plastik und müssen im Müll entsorgt werden. So toll ich den Hof finde, das ist echt ein MINUSPUNKT. Der Käse kommt übrigens in der Recycling-Papiertüte, die Eier sowieso im Pappkarton.

Tja. Da ist sie wieder, die leidige Frage: Bio oder Tierschutz oder weniger Plastik? Immerhin werden die meisten Behälter auf dem Milchhof recycelt und landen somit – anders als die Tetrapacks aus dem Supermarkt – nicht direkt im Müll.

Und was natürlich auch wichtig ist: Die Milch schmeckt super lecker!

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Wenn ich genau drüber nachdenke – so frustriert bin ich vielleicht doch nicht. Ich muss nur dran bleiben. Und wenn ich keinen Kaffeebecher dabei hab, dann verzichte ich eben in Zukunft verdammt noch mal auf diesen einen Kaffee. Und auf die Gummibärchentüte (da gibt es doch auch einen Laden in Bonn…?! Da muss ich mal nachfragen, ob die in Gläser abfüllen….). Und auf die plastikverpackten Kaffeebohnen aus dem Supermarkt.

Das KANN DOCH NICHT SO SCHWER SEIN!

 

PS: UPDATE PLASTIK IM BADEZIMMER
Ich hab dir doch von der Seife-statt-Shampoo-Sache erzählt. Dafür habe ich ein paar Produkte von Lush ausprobiert. Mit der Meersalz-Seife fürs Haar bin ich bis jetzt am besten gefahren.

Aber es gibt noch andere gute Neuigkeiten: Ich habe einen fabelhaften neuen Friseur am Hennefer Marktplatz aufgetan – und der füllt mir das Friseur-Supershampoo sogar in mitgebrachte Glasflaschen ab. Hab ich geklärt, ist kein Problem. Und weil da auch noch ein Kosmektikstudio dabei ist, werd ich das für die Hautpflege demnächst auch noch mal klären. Das wäre natürlich der Knaller.

5 Gedanken zu “Mein Leben ohne Plastik: Neue Tipps und alte Schweinehunde

  1. Mir passiert es auch manchmal das ich Plastik kaufe und mir erst zu Hause auffällt dass ich ja auch die Alternative im Glas hätte kaufen können (zb bei Ketchup). Ich bin auch oft im Konflikt ob mir Bio oder Plastikvermeidung wichtiger ist. Wie entscheidest du das?

    1. Tja, mir geht es genauso. Ich entscheide das von Fall zu Fall. Ich kaufe zum Beispiel durchaus die Bio-Salami in der Plastikverpackung, weil mir einbilde, dass es für die Tiere besser ist. Noch mehr versuche ich aber, zumindest für mich Fleisch und Wurst weitgehend wegzulassen (das kann ich aber meiner Familie nicht antun :-)). Bei Obst und Gemüse nehme ich eher die unverpackten konventionellen Sachen als die verpackten Bio-Produkte. Oder eben was vom Wochenmarkt und nerve dann den Marktstandbetreiber mit den üblichen Wo-kommt-das-her-Fragen. 🙂
      Also mal so, mal so. Und wie machst du das?

      1. Ja ich entscheide das auch nach Einzelfall. Prinzipiell kaufe ich Bio, dafür geh ich dann auch nochmal in einen weiteren Laden oder auf den Markt um es plastikfrei zu bekommen. Es gibt aber auch Tage an denen ich für sowas keine Zeit/Lust habe und dann kaufe je nach Laune Bioobst in Plastik oder konventionelles ohne Verpackung. Ich finde es auf jeden Fall wichtig sich da nicht zu sehr zu stressen um nicht die Lust zu verlieren 🙂

  2. Hallo, wenn der Hof so klein ist, frag doch, ob du bei deinem „Abo“ Milch, Käse und Quark in deine Behälter bekommst?! Falls die direkt abfüllen, könnte es ja egal sein, welche Behälter hin und her wandern? Oder sie nehmen deinen Hinweis dankend an und überlegen sich ein müllfreieres System? Fragen kostet ja nichts.
    Freut mich jedenfalls, dass ihr schon so viele Alternativen gefunden habt.
    Ich stehe oft vor dem Dilemma plastikfrei oder vegan und greife dann auch eher auf des tierische Produkt (z.B. bei Joghurt) zurück oder verzichte. Es ist schade, dass es den Verbrauchern so schwer gemacht wird, möglichst müllfrei zu leben. Aber, du bist wirklich nicht allein, es werden immer mehr so „Verrückte“.
    Das wurde jetzt ein langer Kommentar. Freue mich auf weitere Berichte von dir und deiner kleinen Familie.
    LG, Ica

    1. Danke liebe Ica. Das werde ich tun. Ich fürchte zwar, dass es irgendwelcher Hygiene-Vorschriften wegen nicht geht, aber ich werde fragen und anregen. Das ist eine gute Idee. Mache ich gleich morgen 🙂
      Danke für den Tipp.

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