4 Tage – Schneller Trip in die Nordalpen übers verlängerte Wochenende

Ich muss vorwegschicken, dass ich diese Tour im August 2013 gegangen bin. Ist also eine Weile her. Aber ich fand sie so toll, dass ich sie dir nicht verschweigen will. Wirklich ein toller Kurztrip für Abenteuerlustige. Für Kinder ist das allerdings nur begrenzt was, dafür sind die Kletterpartien zum Teil doch sehr ausgesetzt. Eher was für schwindelfreie Teenager. So. Fäuste hoch und ab:

“Wir sind hier im hochalpinen Bereich. Da sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Grundvoraussetzung”, sagt der Hüttenwirt auf 2131 Metern. Und das ist sehr sehr wahr. Vier Tage Österreich und Bayern – vier Tage leckere Sachen essen und Berge hoch und runter rennen – es gibt kaum etwas erholsameres. Und trotzdem ist das ne ganz schön heftige Tour für ein gewöhnliches Flachlandei wie mich.

Warum?

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Der Reihe nach: Wir starten in Elbigenalp, Lechtal, Tirol, Österreich, ca. 230 Kilometer von München entfernt.

Unser Ziel: Die große Krottenkopfrunde – Tag 1: ein kurzer Aufstieg zur Bernhardseckhütte, Tag 2: die große Tagestour zur Hermann-von-Barth-Hütte, Tag 3: Abstieg je nach Wetter lang oder kurz. Tag 4: Puffer. Mit dabei mein Bruder.

Anreise per Flugzeug von Köln bzw. Hamburg für ca. 160 Euro hin und zurück, dann weiter mit dem Mietwagen (bei billiger-mietwagen.de nach günstigen Angeboten suchen, zwischen 130 und 180 Euro) oder mit der Bahn nach Reutte und dann weiter mit dem Wanderbus (dauert aber bis zu zwei Stunden länger!)

Los geht es in Elbigenalp auf dem Wandererparkplatz, vorbei am Hotel Alpenrose und immer bergauf Richtung Bernhardseckhütte auf 1812 Metern. Schweißtreibend aber gut zum Warmlaufen. Für die rund 3 Kilometer Anstieg haben wir fast 3 Stunden gebraucht, inklusive Päuschen.

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Die Hütte wird privat betrieben, Hüttenwirt Armin kümmert sich um alles. Es gibt Doppelzimmer mit Dusche und Matrazenlager (19 Euro pro Matratze) ohne Dusche, nur mit fließend kaltem Wasser. Die Lager sehen so aus:

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Hüttenschlafsack und Schuhe-aus sind Pflicht. Wie immer. Das Essen: Ein Traum. Käsenudeln, Kaiserschmarren oder Jägerschnitzel gab es bei uns. Große Portionen und natürlich alles an Getränken.

Am nächsten Morgen: Weiter zur Hermann-von-Barth-Hütte, die man sogar sehen kann – auf der anderen Seite des Tals. Erstmal geht es steil bergauf, dann links oder rechts um die Rothornspitze (der rechte, nördliche Weg ist wieder instand gesetzt und begehbar, anders als die meisten Wanderführer behaupten).

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Dann Richtung Krottenkopfscharte – alles super easy zu laufen. Einmal geht es durch eine Felsrinne, die ist aber mit Seilen gesichert.

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Rote Punkte markieren übrigens die gesamte Strecke – man kann sich nicht verlaufen. Spannend wird es erst danach. Aufstieg zur Krottenkopfscharte und dann die erste freie Kletterpartie mit Händen und Füßen. Soweit so gut. Dann durch eine weitere Felsspalte um den Krottenkopf herum. Aufsteigen kann man natürlich auch – kostet noch mal ca. eine Stunde extra und auch hier gibt es ein paar Kletterpartien. Wir sind einfach drumrum gelaufen…

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… dann weiter Richtung Hermannskarsee. Der ist eisig blau und hat leider auch Mitte August noch Schnee am Ufer. Baden ist also – sagen wir – was für die ganz Harten.

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Danach kommen allerdings noch mal zwei richtig ausgesetzte Kletterpartien, weitgehend ohne Seile. Und das ist schon eher was für die ganz Furchtlosen. Oder eben für wirklich wirklich Trittsichere und Schwindelfreie. Im Rücken der Abgrund und vor einem ein paar Felsen steil bergauf, ohne Weg, nur zum Klettern. Das macht Spaß, aber das sollte man auch wissen. Denn zum Umkehren ist es an dieser Stelle – je nach Uhrzeit – eigentlich schon zu spät.

Kurz nach der zweiten heftigen Partie sieht man dann zum Glück schon sehr bald und sehr nah die wunderschöne Hermann-von-Barth-Hütte (gehört dem Alpenverein, Sektion Düsseldorf) auf 2131 Metern. Nur Matratzenlager, keine Dusche, fließend kaltes Wasser.

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Die Tour bis hierhin hat etwa 7:45 Stunden gedauert. Ein kleines Päuschen von 20 Minuten inklusive. Ist also super als Tagestour machbar. Auf den Hinweisschildern an der Bernhardseck-Hütte steht allerdings 5-6 Stunden – und das ist mit Gepäck echt ne Quälerei. Die beiden großen Matrazenlagerzimmer sind hübsch und kosten als Alpenvereinsmitglied 10 und als Nichtmitglied 20 Euro.

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Essen gibt es auch gut und reichlich. Halbpension (falls der Wirt danach fragt) lohnt sich aber nicht. Abendessen und Frühstück gibt es so oder so. Aber Bargeld nicht vergessen!!!

Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Es ist wolkig und regnerisch, trotzdem versuchen wir den langen Abstieg über den Enzenspergerweg, drehen aber nach 20 Minuten wieder um. Der Weg fällt steil ab und bei den unsicheren Wetterbedingungen wollen wir das Risiko nicht eingehen. Auch die steile und kletterreiche Wolfebnerspitze fällt aus – gerade nach den Kletterpartien vom Vortag.

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Bei schlechtem Wetter würde ich die auslassen und auch lieber den kürzeren waldigen Abstieg nach Elbigenalp empfehlen. Dauert mit ein zwei Umwegen und Zeitlassen (Geierwally-Rundtour) ca. 4 Stunden. In Elbigenalp selbst haben wir im Gasthof zur Post gewohnt für 38 Euro pro Person und Nacht. Das Restaurant dort ist großartig. Übernachten muss man da nicht zwingend. Da wäre dann das Hotel Alpenrose nicht schlecht gewesen. Ist zwar ein großer Klotz, hat aber einen Wellnessbereich, was bei Nieselregen und grauem Nachmittag durchaus was wert ist.

Den vierten Tag haben wir dann in Garmisch-Partenkirchen ausklingen lassen, bevor am Abend der Flieger nach Hause ging. Im Grunde ist die Tour aber super in drei Tagen zu stemmen, wenn man am dritten Tag erst später zurück fliegt. Schöne Tour. Kann ich empfehlen. Zumindest für alle Trittsicheren und Schwindelfreien.

Karten-Material: AV-Karten Nr. ½ und 2/2 “Allgäuer – Lechtaler Alpen” – 1:25:000

Must-Have: Bargeld, Waschlappen, Handtuch, Hüttenschuhe, Hüttenschlafsack, Wanderstöcke sind hilfreich.

Höhenmeter: ca. 2300 Meter wenn man die Spitzen mitnimmt.

Gipfel: Großer Krottenkopf (2656 Meter), Wolfebnerspitze (2432 Meter)

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