3 gravierende Sicherheitsmängel, die der Flughafen Düsseldorf lieber ganz schnell beheben sollte und 1 Mama mit schlechtem Gewissen

Da war er also, der Anruf. „Trieneke, könntest du dir vorstellen einen 45-Minuter als Autorin für den WDR zu schneiden?“ – und ich so: „Warte ganz kurz… KLAR!“

So ganz klar war mir da aber nicht, auf was ich mich einlassen würde. Ich weiß ja, dass es bei solchen Projekten am Ende IMMER eng wird. Das IMMER mindestens eine Nachtschicht dabei ist und dass alles andere ein wenig in den Hintergrund rückt. Aber ich hatte es offenbar vergessen.

Drei Wochen lang – Schnittschichten bis zu 15, 16 Stunden. Baby Theo morgens schlafend zurück gelassen und abends schlafend wiedergesehen.

Ein leiser Kuss, einmal über den Kopf gestreichelt. Mehr nicht. Und mehr als einmal habe ich mich gefragt, ob ich das wirklich durchziehen kann und will. Ich wollte  – und es ging.

Aber es ging nur, weil Alex mich so toll unterstützt hat. Baby Theo war an vier Tagen mit im Schnitt und sonst bei Papa oder bei der Tagesmutter. Nicht perfekt, aber in Ordnung für alle. Er mag mich glaub ich immer noch und das Lachen hat er auch nicht verlernt, das mildert das schlechte Gewissen.

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Worum es ging? Um etwas, das ich selbst nicht glauben konnte, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Jemand hat es geschafft über den Frachtbereich eine Bombe in einen Ferienflieger zu schmuggeln. Ein Bombenattrappe. Streng genommen nicht einmal das – einfach nur ein herrenloses, nicht adressiertes Paket, das unter den Augen sämtlicher Sicherheitskräfte und vorbei an allen scheinbar so gut überwachten Posten in den Bauch einer Passiermaschine gelangt ist.

Es hätte alles drin sein können.  Eine erschreckende Vorstellung. Sicherheitslücke Nummer 1 – und es wäre so einfach sie zu beheben.

Der Flughafen müsste nur jemanden am Personaleingang der Frachthalle positionieren, der die Ausweise überprüft und es müsste eine Taschenkontrolle geben. Schon wäre es längst nicht mehr so einfach.

Und was ist mit den Anlieferern und den Caterern im Flugzeug? Da gibt es eine so genannte „Sichere Lieferkette“. Um es kurz zumachen: Wenn alle überprüft sind und sich an gewisse Sicherheitsregeln halten beim Verpacken und Transportieren der Waren, dann gilt die Lieferung als sicher und wird bis zum Abflug nicht ein einziges Mal mehr kontrolliert.

Geht schnell, spart Zeit. Und Zeit ist Geld. Blöd nur, wenn sich eben nicht alle an die Regeln halten. Passiert in der Frachthalle andauernd, hat uns ein Insider erklärt.

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Und bei den Transporteuren, den tausenden Fahrern kleiner  und größerer Kurierdienste, bei denen reicht es, vereinfacht gesagt, wenn der Chef sie als „vertrauenswürdig“ erklärt. Dann gelten sie und damit auch ihre Lieferung als sicher. In einer perfekten Welt mag das reichen, aber diese Welt ist alles andere als perfekt – und jeder, der was Böses im Schilde führt, kann doch so alles Mögliche unkontrolliert über die Fracht in einen Flieger bringen. Oder vielleicht sogar über das Catering. Auch wenn’s da ein bisschen strenger gehandhabt wird. Warum nicht alle Fahrer einer großen staatlichen Überprüfung unterziehen? Kostet etwas mehr Zeit, garantiert auch keine absolute Sicherheit – aber immerhin ein bisschen mehr als das aktuelle Prozedere. Für mich definitiv Sicherheitslücke Nummer 2 – nicht nur am Düsseldorfer Flughafen, sondern deutschlandweit.

Sicherheitslücke Nummer 3 haben wir in der Redaktion und im Schnitt kurzerhand Sicherheitsroulette getauft. Denn:

Ob ein Auto am Flughafeneingang für Personal und Waren kontrolliert wird oder nicht, hängt von einem EU-standardisierten Zufallsgenerator ab.

Und wenn es kontrolliert, dann nicht etwa einmal rund herum. Nein, dann gibt der Zufallsgenerator vor welche Bereiche die Sicherheitsleute kontrollieren müssen. Mehr dürfen sie nicht machen. Dienstanweisung. Sonst gibt es Ärger vom Chef, hat uns einer erzählt. Hört sich alles sehr abenteuerlich an, wie ich finde.

Während wir als Passagiere bis auf die Unterhose kontrolliert werden (zumindest wenn es gut läuft), spielt die Sicherheit abseits der üblichen Touristenwege am Flughafen Düsseldorf offenbar keine so große Rolle.IMG_4647

Und das ist noch lange nicht alles. Hier ist das Ergebnis von drei Wochen harter Arbeit – Primetime. Danke an meine tolle Cutterin Moretta McLean, Danke an Meinert für die Chance, Danke an den großartigen Detlef Flintz. Ich habe viel gelernt und viel gelacht, ich habe ab und zu ziemlich gelitten und meine Lieben echt vermisst. Aber es hat auch einen Heidenspaß gemacht.

Aufgedeckt – Sicherheitsrisiko Flughafen Düsseldorf, WDR, 29.06.2015, 20:15 Uhr: 

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/videosicherheitsrisikoflughafenduesseldorf100.html

Update 15.7.2015: Das ARD-Magazin Plusminus hat noch mal eine Kurzfassung des Films gebracht:

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sicherheitsprobleme-100.html

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